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Paris Fashion Week 2009. Das große Finale der diesjährigen
Modewochen ging am 8. Oktober zu Ende
Gerlinde von Steht

 

Parallel zu den großen Schauen der internationalen DesignerInnengab es mehrere Mode Messen zu bewundern. Marie-Christine von Liebe und Gerlinde von Steht haben die neuesten Trends für die kommende Saison für Sie zusammengestellt!

 

Flughafen Berlin-Schönefeld am Check-In nach Paris.

Fabrikartiges Ambiente. Zweckmäßige, emotionslose Massenabfertigung. Ich mitten drin. Augen auf Halbmast, ferngesteuert lasse ich die Sicherheitskontrolle über mich ergehen. Doch beim Einsteigen winkt mir plötzlich eine zierliche Französin mit "Mireille Mathieu Pony" fröhlich zu: "Stellen Sie aus?" Ups! "Nein, ich schreibe!" höre ich mich roboterhaft antworten. Auf meinem Platz angekommen fällt mir plötzlich ein, dass diese sympathische Französin Mayouri Sengchanh heißt und den Standort Berlin für die Prêt-à-Porter in Paris vertritt. Und ich bin ja eigentlich Designerin, genau! Vor exakt einem Monat haben wir uns bei der Prêt-à-Porter in den Hallen von Porte de Versailles kennen gelernt, weil ich nächstes Jahr in Paris meine eigene Kollektion ausstellen werde. Das große Finale der diesjährigen Modewochen ging am 8. Oktober 2009 in Paris zu Ende.

Nach Sportswear in New York, Street- Style in London und Glamour in Mailand gab es grandiose Mode-Highlights in Paris zu bewundern.

Aber was macht die Stadt an der Seine so besonders?

Warum trifft sich hier die Weltspitze? Was ist es, das Berlin, München, Düsseldorf und Hamburg fehlt, um als Anziehungspunkt als Modemetropole international interessant zu sein? Wie stellen sich hier die großen DesignerInnen und Couturiers zur Schau und was bieten sie ihrem faszinierten Publikum? Mit diesen und anderen Fragen machten wir uns, meine Kollegin Marie-Christine von Liebe, Kunsthistorikerin und ich, in Paris auf Entdeckungsreise. Wir sind mit der Metro unterwegs. Im 2 -Minutentakt transportiert sie die Menschen in die verschiedensten Richtungen. Die Züge sind voll. Immer. Meist abgespannte, übermüdete Gesichter, denen die Anstrengung der Zwölf-Millionenstadt anzusehen ist, lassen ihre Blicke aus dem Fenster schweifen oder sind in Gedanken versunken. Es scheint, als ob der Überlebenskampf hier wesentlich härter ist als in Deutschland. Berlin kommt mir plötzlich wie ein Dorf vor und München wie ein Kurort. Auch die typischen "For Ever Young -Teenager" die im Alter von 35 -99 Jahren, Kennzeichen Umhängetasche und Turnschuhe, in Berlin zum Stadtbild gehören und die Straßen bevölkern, sind hier kaum zu sehen. Trotz des "Savoir Vivre Flairs", das Paris unverwechselbar raffiniert und charmant macht, kommt einem diese
Stadt doch erheblich pulsierender, erwachsener und härter vor. Schauen wir uns an welche Inspirationen die internationalen DesignerInnen für die Sehnsüchte der Menschen dieser Zeit kreiert haben. Die neuesten Trends haben wir hier für Sie zusammengestellt!
Viva la Diva!
Bei Christian Dior kommen Dessous ganz groß raus. Der Dior DesignerInnen John Galliano verschmelzt Elemente aus den 40´er und 90´er Jahren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Klassische, kurze Trenchcoats bekommen durch Anlehnung an die Lingerie einen glänzenden Anstrich. Bustier-Kleider, Korsetts und Korsagen mit langen Chiffon Drapés umhüllen die Models, die sich mit Hollywood Wellen und roten Lippen in umwerfende Diven verwandeln. Auch Jean Paul Gaultier lässt sich von der Lingerie inspirieren. Das "Entfant
Terrible" zeigt seinen Unterwäsche Look aber deutlich frecher. Mit glänzenden, eingearbeiteten Gaultier-typischen Kegel-BH´s- Unterröcken, laufen seine Models selbstbewusst mit seitlich geflochtenem Zopf, Sonnenbrille und Cappy über den Laufsteg.
Formen: 1. Form: Die Eieruhr
Feminine, nixenhafte Weiblichkeit von mit einem Hauch Hollywood- Diva

Traumwelten
Diesmal entführen uns fast alle Kollektionen der internationalen DesignerInnen in wunderbare Traumwelten. So auch die Kreationen von Valentino (Maria Grazia Chiuri & Pier Paolo Picolli), in deren Show feenhafte Fabelwesen fast nebelartig über den Laufsteg schweben. Die Märchenwesen, bekleidet mit einem Hauch von Flatterkleid wirken sehr anmutig. Auch Riccardo Tisci, der Givenchy Designer,
drapiert seine Models in transparente wallende Gewänder. Außerdem
zu sehen bei Lavin, Stella Mc Cartney, Chacharel.

2. Form: Die Gitarre
Breite runde Schultern, schmale Taille & runde Hüften: Feminin wie Marilyn

Atlantis
Der Avantgardist Alexander Mc Queen hat sich von Unterwasserwelten inspirieren lassen: Mit bunten Reptilienmustern, glänzenden Fischschuppen-Minikleider mit gehörnten Frisuren und super-high Plateau-Schuhen verwandelte er Models in Seemenschen.
Vorsicht wild!
Ob Minidress, wild gemustert mit Lederhosen bei Balmain, Leoparden Zweiteiler bei Giambattista Valli oder exotische Drucke bei Dries van Noten: Der Amazonen Look wirkt ungebändigt und selbstbewusst. Raubtiere sind wieder mal auf dem Vormarsch und verwandeln graue Mäuse in gefährliche Wildkatzen. Marc Jacobs schneidert diesmal ein radikal neues Bild für das Mode Label Louis Vuitton. Er zeigte seine Models durchweg mit Afro-Frisur. Dazu passende Kleider mit tropischen Mustern. Aber es ginge ihm um einen Reisenden, so Marc Jacobs, besonders um die Bewegung, die nach dem Punk aufkam.
Soft & Clean
Designerin Phoebe Philo überzeugte mit ihrer Gradlinigkeit. Aus puristischem Stil und sportlichem Luxus schuf sie bei Celine ein Gesamtkunstwerk, das mit "Standing Ovations" belohnt wurde und so verhilft sie dem alt eingesessenen französischen Label zu neuem Ruhm. Scharf geschnittene Minis in Trapezform und Marlenehosen aus steifen Sackleinen kombinierte sie mit weich fließenden
Seidenblusen samt Riesenschleife, softe Drapierungen und weit schwingende Miniröcke. Auch Yves St. Laurent, Karl Lagerfeld setzen auf schlichte feminine
Schnitte, meist in Schwarz-Weiß gehalten. Trotz einfacher Linienführung, Farben in Naturtönen oder Schwarz-Weiß, gaben sie ihren Werken durch florale Elemente oder weit schwingende Kurzmäntel einen soften Touch. Jean Paul Gaultier für das Label Hermes überzeugte mit seiner konsequenten, minimalistischen Kollektion, die sich an Tennismode orientiert und in hellen beige oder weiß Tönen Weiblichkeit und Lässigkeit gekonnt zu mixen weiß.


3. Form: Das X
1990er Come Back: Breite Schultern, schmale Taille, kurzer Trapezrock oder
Short

Landliebe
Karl Lagerfeld verwandelte eine riesige Scheune nach Vorbild des Landsitzes von Königin Marie Antoinette und liess seine Models im Heu rekeln. Der süße Land-Look lebt von aufwendigen Details wie Mohnblumenapplikationen im Dirndlstil. Zerrupfte Haare und super High Heel Clogs rundeten die verspielten Glockenkleidchen aus Häkelstoff oder schwarz-weißen Chiffon ab. Tweed Kostüme waren natürlich auch dabei. Dazu sind für den Abend Cocktailkleider in
schwarz oder creme die perfekte Ergänzung. Happiness Nicht nur Karl Lagerfeld lässt seine Landmädels süffisant taumelnd lächeln. Auch bei Sonja Rykiel war das Motto: Girl´s wanna have Fun! In kräftigen Farben, Ringelpullis, fetzigen Kleidern und Strumpfhaltern, Wuschelhaaren mit kleinen Hütchen liefen sie,
freundschaftlich untergehakt Arm in Arm über die Bühne. Höhepunkt war der transparente Doppelreiher Trench.


4. Form: Das A

Ob geblümtes Babydoll oder schlichtes Tageskleid:Die A Linie ist jetzt überall angesagt.

In Hülle und Tülle
Viktor & Rolf stutzen Unmengen von Tüllbergen in Form: Wie wandelnde farbige Bäume aus dem englischen Garten, schwebende Königinnen in bodenlangen A- Röcken mit Miedern gemixt, sie lustwandelten mit überdimensional asymmetrischen Krägen, aus längst vergangenen Zeiten neu aufgelegt in Paris zur Schau.


5. Form: Oh, ein Ei!

Eine runde Sache: geschützt wie ein Küken

 

Parallel zu den großen Schauen der internationalen DesignerInnen gibt es zeitgleich mehrere Mode Messen in Paris zu sehen.

 

Atmosphere im Jardin des Tuileries zeigt die Kollektionen von DesignerInnen aus 20 verschiedenen Ländern. "Ready to Wear" hat

Fun Faktor,The Box zeigt Fancy Accessoires, Premièr Classe

basiert auf Iconography und Flower Power. Hier werden Materialien zu

neue Expressionen wiederverarbeitet, Rendez-Vous Femmes zeigt

besondere Contemporary Fashion. Auch der Online Showroom

www.lenewblack.com gehört dazu, Fame Tuileries bringt zweimal pro

Jahr, im März und Oktober, 100 internationale Women´s Fashion

Brands zusammen. Privilegierte gut etablierte Label und junge

DesignerInnen sind hier zu bewundern, Workshop Shows Paris basiert

auf der Idee der kompletten Garderobe und zeigt etablierte

DesignerInnen und "New Arrivals", Tranoi vereint drei symbolische

Locations: Finanzen, Kultur und Luxus. Für internationale Collections

und Events, die man sich nicht entgehen lassen darf!

 

Gespannt schauen wir uns um und entdecken einige DesignerInnen,

an deren Ständen sich die InteressentInnen tummeln. Dabei fällt auf,

dass durchaus Fröhlichkeit und Optimismus herrscht – sicher nicht

zum Schaden der Umsatzzahlen. Vielleicht nach dem Motto "Lacht der

Krise ins Gesicht und sie tut Euch nichts?" Genaues weiß keiner.

 

Anzunehmen, dass viele das Gejammer von der Krise

 endgültig satt haben. Und es ist ja keine Neuigkeit, dass in

Krisenzeiten der Hang zu Luxus, Glamour, Harmonie und Fröhlichkeit

schon immer da war.

 

Der Stand von Orla Kiely, Designerin aus London, verbreitet

eine frische, fröhliche Atmosphäre. Ihre Welt ist bunt. Seit 1990

entwirft sie Mode und Accessoires. Ornamente und Muster entwickelt

sie selbst und ist so unverwechselbar mit ihrer eigenen Signature

wiederzuerkennen. "Je mehr die Leute von Krise reden", so heißt es

bei Orla, "desto besser läuft´s bei uns". Retro-Mode, die sie mit Ihrer

persönlichen Handschrift und ihrem optimistischen Spirit versehen

hat und zu moderaten Preisen anbietet führen durchaus zu

 

weltweitem Erfolg. www.orlakiely.co m

 

Die Luft in den Messehallen ist stickig. Wir nehmen erstmal

eine Stärkung zu uns. Alles wird in Plastik serviert. Liliza:

 

Der überquellende Mülleimer, voll mit leeren Sushi Plastik oder Wrap-Schachteln bietet einen grotesken Kontrast zu den Ständen, die für Ethic, Ökologie,Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit plädieren.

 

Mein Blick wandert zu einer zierlichen Designerin mit langen roten

Haaren, die, auf einem barocken Sofa sitzend, gegenüber vom Imbiss

noch deplazierter wirkt als die Ökos von nebenan. Auf ihrem

nostalgischen, fast unwirklichen Stand sind märchenhafte, stilvoll

verschnörkelte Kreationen zu sehen, die aus einer längst

vergangenen Welt scheinen.

 

© Liliza

 

Liliza ist Elisa Umberti´s eigenes Luxus Label. An der Central Martin School of Art

and Design in London (John Galliano, Alexander

Mc Queen etc.) studierte sie Design. Dann ließ sie sich in Paris nieder.

Seit 2006 betreibt sie ihr eigenes Label. Ihre Kreationen vereinen

poetische Eleganz, Kindlichkeit und Nostalgie. Ausschließlich

hochwertige Luxus Stoffe verwendet sie für ihre Linie.

 

www.liliza.com

 

Für unseren Geschmack ist es viel zu warm auf der Messe. Am

liebsten würden wir jetzt in einen kühlen Pool springen! Da kommt

das Bademode Label Ilha by Delfina aus Italien gerade recht.

Familientradition á la Italia. Mutter Delfina Janetti und Sohn Ludovico

aus Rom stellen gemeinsam ihre Kollektionen vor. Uns jedenfalls hat

die mal lässige, mal verspielte und immer tragbare Strandmode sehr

gefallen. Nur der Pool fehlte leider.

 

© Ilha by Delfina

 

Hinter dem Label La Casita de Wendy aus Madrid stehen Inés und

Ivan, zwei junge Designerinnen aus Madrid. Sie haben Architektur

und Philosophie studiert und seit 2001 Ihre Leidenschaft für Mode

entdeckt. Iberische Märchen sind die Basis ihrer Ideen. Ihre Modelle

überzeugen durch starke Farben und originelle Schnitte.

 

www.lacasitadewendy.com

 

©La Casita de Wendy

 

Weitere Infos finden Sie unter: www.modeaparis.com

 

Text & Zeichnungen: Gerlinde von Steht